Neuer Staat: „Internet“ ?

By | 6. April 2011

Vor einiger Zeit habe ich mit einem Kollegen darüber philosophiert, ob es in Zukunft denkbar wäre, dass das Internet  und die Vernetzung über Facebook, Twitter, Blogs etc. dazu führt, dass sich im Netz mächtige Interessensgemeinschaften bilden.

Was wäre wenn es einer Facebookgruppe gelänge eine so große Anhängerschaft zu finden, dass die Stimmen der Menschen auch in der realen Welt Einfluss erhalten?

Momentan ist das „Zusammenrotten“ zu virtuellen Gruppierungen in den meisten Fällen eine kurzweilige Zweckgemeinschaft. Im Falle des Plagiats Vorwürfen gegen K.T. zu Guttenberg, haben sich binnen kürzester Zeit Menschen aus aller Welt zu der Zweckgemeinschaft „Guttenplag“ zusammengefunden, um an einem „Projekt“ zu arbeiten.

Diese lose und spontan entstandene „Zusammenrottung“ von Menschen und Wissen hat es geschafft aus der Virtualität herauszutreten und in der Realität für Veränderung zu sorgen. (Ohne den riesigen medialen Hype den es plötzlich durch und um Guttenplag gab wäre K.T. zu Guttenberg wohl nicht gezwungen gewesen zurück zu treten)

Internet hat in diesem Fall also Politik gemacht und gezeigt, dass da wo sich viele Menschen zu einer Interessensgemeinschaft zusammentun eine unglaubliche Handlungsfähigkeit erwächst.

Genau das ist im Prinzip auch der Grundbaustein von Staaten und Religionen. Durch unser demokratisches System sind wir Deutschen also auch eine Interessensgemeinschaft von „Deutschen“. Die Interessensgemeinschaft Deutschland hat bestimmte „Interessen“ , Werte und Gesetze durch die sie sich definiert. Deshalb heißt unser Land auch Deutschland und nicht Frankreich, denn die Franzosen haben wiederum andere Interessen, Werte und Gesetze.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf, spinne ich nun einfach mal weiter. Was ist wenn sich in Zukunft bald ganze Staatssysteme im Internet entwickeln? Weltbürger, deren Interessen, Werte und Gesetze virtuell übereinstimmen? Ein Amerikaner, der das Deutsche Gesundheitssystem haben möchte, ein Deutscher, der das Schweizer Steuerrecht für sich wünscht, ein Schweizer, der die Besteuerung auf Lebensmittel in der Höhe haben möchte, wie es die Deutschen haben? Diese 3 Menschen würden dann Bürger des Virtuellen Staates „Fantastitan“ sein, dessen Gesetze, Interesse und Werte  von den jeweiligen Geograffischen Staaten anerkannt und Akzeptiert werden.

Ich muss also nicht mehr in einem bestimmten Land geboren sein, um dessen Vor-&Nachteile zu genießen, sondern kann mich entscheiden, in welchen Online-Staat ich leben möchte.

Das ist sicherlich alles weit weit entfernte Zukunftsmusik, aber ein Gedankenspiel ist es wert.

Ein weiteres Beispiel der „Macht“, die von Interessensgemeinschaften im Netz ausgeht ist z.b. die Hacker-Gruppierung Anonymus. Ein lose zusammengewürfelter Haufen von Hackern, Scriptkiddies und solchen die es sein wollen, bedroht einen Multinationalen Konzern (Sony) und greift dessen Internetseiten an, um sich Gehör zu verschaffen.

Nicht auszudenken, wenn man aus welchem Grund auch immer plötzlich ins Visier einer solchen Gruppierung kommt. Es muss nicht speziell Anonymus sein, aber wenn sich eine  genügend große Gruppe ONLINE gegen dich richtet, dann hast du verloren. Unternehmen, wie Privatpersonen sind da einfach nur hilflos ausgeliefert.

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