Ist der „Like Button“ rechtswidrig?

By | 11. November 2010

Aktuell stoße ich bei einem Homepage Projekt auf das Problem, dass einige Anwälte der Meinung sind der „Like Button“ von Facebook sei rechtswidrig.
Website-Betreiber in Deutschland sind dazu verpflichtet den Besucher ihrer Website darüber zu informieren, was mit seinen erfassten Daten passiert.

Erfasste Daten sind in diesem Falle schon die IP-Adressen der Besucher. Die meisten Website-Betreiber versichern in ihren AGBs, dass keine Weitergabe der persönlichen Daten an Dritte, ohne vorherige Zustimmung des Besuchers stattfindet. (Ok das war jetzt sehr vereinfacht ausgedrück, aber ich bin kein Jurist).

Befindet sich nun ein „Like Button“ auf einer Website kommt es dazu, dass eine Dritte Partei ausserhalb der EU plötzlich im Spiel ist, nämlich Facebook. Dieser kleine 2 zeilige Codeschnipsel, den jeder Webmaster in seine Website einbauen kann, hat es in sich. Wird dieser Codeschnipsel von einem Browser gerendert so zeigt sich, dass dort ein Inline Frame oder auch IFrame genannt hinter steckt. Der Inhalt dieses IFrames ist einzig und allein der „Like Button“ und dieser „liegt“ auf den Servern von Facebook. Das ist das Prinzip eines IFrames… Inhalte von anderen Seiten auf seiner eigene Seite anzuzeigen. Rein technisch gesehen, besucht der Website Besucher gleich zwei Homepages zur selben Zeit und hat den Eindruck er befände sich einzig und allein auf bspw. www.beispiel.de.

So wie Website Betreiber ihrer Besucher „analysieren“ und „zählen“ so hat Facebook auch die Möglichkeit zu sehen, welche IP Adresse, zu welcher Zeit auf www.beispiel.de war, da dort ein „Like Button“ platziert ist.

Da viele Juristen der Auffassung sind, dass eine IP Adresse bereits ein persönliches „Datum“ (Ja so heisst das auf Juristisch) ist, wäre dadurch der Tatbestand, der Weitergabe persönlicher Daten an Dritte gegeben.

Noch schöner wird es, wenn der Website Besucher gerade bei Facebook angemeldet ist und eine Website mit „Like Button“ besucht. Dann bekommen die Jungs von Facebook die Dollar-Zeichen in den Augen, denn jetzt wissen Sie welcher Facebookbenutzer zu welcher Zeit auf welcher Homepage war und können dadurch das Surf-Verhalten und die persönlichen Interessen exakt für diesen Facebookbenutzer bestimmen.

Der Facebookbenutzer wundert sich dann nur manchmal, warum denn plötzlich auf seiner Facebook Seite Werbung für exakt das Auto angezeigt bekommt, wonach er gestern noch im Netz gestöbert hat. 😉

Aber nicht nur Facebook ist ein potenzieller Fall für die Gerichte, auch Google besser gesagt der Dienst Google Analytics. Analytics ist eine Anwendung mit der Website Betreiber das Besucheraufkommen und das Verhalten der Besucher auf ihrer Website analysieren können. Für Admins wie mich eine praktische Sache, man kann sehen welche Aktionen auf der Website gefruchtet haben und welche nicht. Dies führt dazu, dass die Websites ständig verbessert werden um den Besucher am besten zu bedienen.

Jedoch sendet Google Analytics die Daten über die Website Benutzung an die Server von Google in den USA. Demnach wäre auch das eine Weitergabe von persönlichen Daten an Dritte.

Es wundert mich, dass es noch keine Abmahnwelle gegen „Like Button“ Benutzer gegeben hat. Selbst große Portale wie welt.de oder prosieben.de setzten die „Like Buttons“ geradezu verschwenderisch ein. In den Datenschutzbestimmungen dieser Portale ist kein Hinweis zu sehen, dass die Daten der Besucher an Facebook weitergegeben werden. Hat da nur nie jemand drüber nachgedacht oder fühlen sich die großen Portale unantastbar und wiegen sich in der Sicherheit einer Schaar von Anwälten?

Wäre es tatsächlich rechtswidrig, Dienste wie den „Like Button“, Google Analytics, Flattr, etc. in Deutschland einzusetzen, dann wäre das WEB 2.0 in Deutschland faktisch tot. Denn das Web 2.0 besteht aus Vernetzung von Diensten und es besteht deshalb aus Vernetzungen von Diensten, weil die Menschen sich vernetzen wollen.

Ich persönlich setze nun erstmal darauf einen kurzen Zusatz zu den Datenschutzbestimmungen zu schreiben und abzuwarten, was da so alles auf das WEB 2.0 zukommt.

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